Wo sind die Fans geblieben...

Benutzeravatar
Tom29
Beiträge: 618
Registriert: Sa 20. Mai 2000, 01:00
Wohnort: D, 16515, Friedrichsthal

Wo sind die Fans geblieben...

Beitragvon Tom29 » So 19. Nov 2000, 10:50

Heavy!

Du spricht mir aus der Seele! Das hab ich schon zu Anfang der Saison bemängelt. Ausgelacht wurde ich! Jetzt werden wieder die Argumante kommen, daß die Mannschaft uns erst was beweisen muß und daß wenn die Mannschaft richtig kämpft, der Support der Fans von selbst einsetzt...

Lächerlich...

Ich hab auch kein Bock mehr auf diese "Block-Kämpfe". Ist doch immer das gleiche! Stillschweigen im Block E > Beginn eines Gesangs Block C > weitertragen durch Block D > Ersticken dieses Gesangs durch einen vermeintlich passenderen durch Block E und F > Ergebnis: heilloses durcheinander!!!

Ich stehe im Block D. Und nicht nur daß meine Ohren durch diesen Mißklang von rechts und links leiden, nein, auch unsere Trommler wissen in diesem Moment nicht mehr was los ist (@Buster und ABV, ihr seid trotzdem super!!). Da kann man schon nicht nur den Überblick sondern auch die Lust verlieren...
**********************************
Tom29
Benutzeravatar
Heavy
Beiträge: 7809
Registriert: So 10. Sep 2000, 01:00
Wohnort: Bärlin
Kontaktdaten:

Wo sind die Fans geblieben...

Beitragvon Heavy » So 19. Nov 2000, 13:16

So, es ist jetzt Samstag abend nach 23.00 Uhr. Viele, mit denen ich morgen früh nach München fahre, liegen (hoffentlich) schon im Bett, so daß ich im Bus um wilde Diskussionen herumkomme, da sich einige durchaus angesprochen fühlen dürften.
Für die, die mich nicht kennen:

Ich stehe in dem nicht gerade für seine südländische Stimmung bekannten I-Block, schreie dort aber immer wie ein Bekloppter für unsere Mannschaft.

Ich gebe pro Saison normalerweise einen vierstelligen Betrag aus, um mein Team auch auswärts zu unterstützen und ich habe seit 1994 eine Dauerkarte. Von September bis Mai leide ich alle Jahre wieder unter permanenter Heiserkeit, da ich meine Stimme in ersen Eishallen über Gebühr strapaziere.
Seit geraumer Zeit macht mir die Stimmung in unsere Halle allerdings große Sorgen.

Bis zur vorletzten Saison waren die Fans und die Mannschaft beim Spiel eine Einheit. In der Halle "brannte" im wahrsten Sinne des Wortes die Luft und die anderen Mannschaften hatten Angst bei uns zu spielen. Wir waren der sechste (bzw. siebente) Mann auf dem Eis. Früher gab es bei Überzahlsituationen der Gegner dermaßen gellende Pfeifkonzerte, daß man befürchten mußte, daß die Plexiglas-Scheiben zerbersten. Nicht selten sind dadurch einem gegnerischen Spieler die Knie weich geworden, er rutschte aus und ...Unterzahltor für die Eisbären! Beim 10:3 gegen die DEG 1998 schrien wir den Puck förmlich ins Tor zum zweistelligen Ergebnis. Beim 6:5-Sieg gegen die Lions in der Saison 95/96 peitschten wir unser Team nach 0:4-Rückstand zu einem nie für möglich gehaltenen Sieg.
Heutzutage sieht das (leider) ganz anders aus. Die Mannschaft spielt auf dem Eis und die Fans treffen sich zur Singstunde. Es geht schon damit los, daß offensichtlich nicht jeder das gleiche unter "Stimmung" versteht. Für mich heißt das, unser Team bedinungslos anzufeuern. Für andere heißt das "Party machen".

Und damit komme ich zu dem eigentlichen Problem. Früher hatten die Anfeuerungen zumeist einen direkten Bezug zum Geschenen auf dem Eis. Wie bereits oben erwähnt: In Unterzahl gab es (wirklich) gellende Pfeifkonzerte, sobald der Gegner nur in Scheibenbesitz war. Heute kommen in so einer Situation so passende Lieder wie "Und wer Lust hat, klatsche in die Hand...". Wenn wir früher einen Konter fuhren ging ein lauter Aufschrei durch die Halle, heute gehen dann "...die Hände zum Himmel...". Aufgrund von Stereotypen wie "Eisbären - wum, wum, wum" nach Gegentoren und "Dy-na-mo" bei Schlägereien auf dem Eis geht jede Originalität verloren.

Und der diesjährige "Scha-lala-lala-Eisbären!-Singsang dient wohl mehr dazu, die Mannschaft langsam einzuschläfern, als sie anzufeuern.

Die vielen "Superfans", die sich Tickets für die Blöcke D, E und F kaufen, aber mitsingen für unter ihrer Würde halten, tun ein übriges zur Lautstärke. Und sie demotivieren darüber hinaus möglicherweise diejenigen, die eigentlich die Mannschaft anfeuern wollen, aber irgendwann sauer sind, wenn keiner um sie herum mitmacht!

Gestern hatte ich das Gefühl, daß wir bald an dem Punkt angekommen sind, an dem die Preussen waren, als wir sie aus den Play-Offs gekegelt haben!

Sicher kommen auch Anfeuerungen von uns, die sich auf Spiel und Mannschaft beziehen. Es werden nur leider immer weniger!

"Party machen" ist ja schön und gut. Und ich bin immer gern mit dabei. Vorher sollten wir aber unseren Beitrag leisten, indem wir erstmal die Mannschaft anfeuern und dann feiern! Wenn feiern im Wellblechpalast zum Selbstzweck verkommt, werden wir zur Karrikatur unser selbst. Und dann gibt es auch irgendwann vermutlich garnichts mehr zu feiern.

Es wäre zu schön, wenn wir dazu zurückkehren könnten, zuerst unser Team zum Sieg zu peitschen und dann zu feiern. Und das tun wir bestimmt nicht mit Gesängen wie "...ja beim Eishockey ist was los!"
Also wenn immer alle nur meckern, können wir sowas wie Corona eben nicht mehr machen!
Andybär
Beiträge: 22
Registriert: Sa 11. Nov 2000, 01:00
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Wo sind die Fans geblieben...

Beitragvon Andybär » So 19. Nov 2000, 16:33

Ihr habt vollkommen recht!!!Ich finde es total schei..wenn man die Manschaft nur anfeuert,wenn sie am gewinnen ist.

Bild Bild Bild

Meiner Meinung nach muss ich als fan,und besonders im moment als Eisbärenfan,auch hinter der Manschaft stehen wenn es nicht gut läuft!
kaeptn eisbaer
Beiträge: 475
Registriert: Di 1. Aug 2000, 01:00
Wohnort: Nordberlin
Kontaktdaten:

Wo sind die Fans geblieben...

Beitragvon kaeptn eisbaer » So 19. Nov 2000, 19:32

alles richtig, doch was tun? scheinbar hat sich das eisbären-publikum geändert, es fehlen wohl mehr und mehr die fanatischen anhänger, oder?
lars fortier
Beiträge: 3121
Registriert: Di 8. Aug 2000, 01:00
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Wo sind die Fans geblieben...

Beitragvon lars fortier » So 19. Nov 2000, 23:02

da hat heavy zurecht ein brisantes thema angesprochen... ich glaube, das ehc-publikum ist dieses jahr genauso "facettenreich" wie die mannschaft... von lethargie über bedingungsloses peitschen und feiern bis zu kreativen protesten war bisher alles dabei... wobei ich zwischen peitschen und feiern keinen so großen trennstrich ziehen würde... :-)
visuell haben wir uns jedenfalls stark verbessert (plakate, transparente, pfui-kellen, farbige dina4-seiten...) und inhaltlich-kreativ doch auch (verschiedenste protestformen, demo-teilnahme am 9.11. (ja, ich war nicht dabei)) ...
auf der anderen seite stehen eher ruhigere spiele und eine alberne wer-ist-der-beste-block-diskussion (aber wurde die denn so ernst geführt?)...
hm, jedenfalls hat man heute in münchen, äh im tv nur die bärchen gehört (falls münchen für einen vergleich noch halbwegs taugt)... hörte sich verdächtig so an, als ob der casino-freitag in den münchen-sonntag hineingetragen wurde... :-) aber wie gesagt: meiner meinung nach ergänzen sich feiern und peitschen...
marco
Beiträge: 6866
Registriert: Di 5. Okt 1999, 01:00
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Wo sind die Fans geblieben...

Beitragvon marco » Mo 20. Nov 2000, 04:26

Es ist doch aber auch so, daß wir hier jeder auch für den anderen Verantwortung mittragen.

Wenn mein nachbar nicht mitbrüllt, dann muß er eben mit blauen Flecken in der Rippengegend leben.

Auch sollten wir als hier schreibende und vor allem lesende Forumsgemeinde die Leute von dieser dämlichen Hände-zum-Himmel-Manie abhalten und uns auf das wesentliche beim support konzentrieren. Und dies ist nun mal ein 60(!!!)-minütiges Eishockey-Spiel und nicht Ringelpietz mit Anfassen oder Eisstockschießen oder sowas. Peitschen und Feiern gehören zusammen, alles richtig, aber bitte schön eins nach dem anderen. So wie früher Bild
Ebenso sollten wir uns hier nicht gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben und/oder gegenseitig fertig machen. Ich denke, die Forumsgemeinde ist sich im allgemeinen der Lage bewußt, nur kommt es jetzt darauf an, unser Verhalten dem Nebenmann gegenüber zu ändern und jeden einzelnen mitzuziehen. Nützlich wäre es auch, wenn endlich diese saublöden Musikeinspielungen a la Karneval oder Mallorca-Urlaub unterbleiben. Weniger ist oft mehr...
Also Leutings, nicht verzagen, einfach wieder mal was Neues ausdenken und nicht immer so nett zu den Preussen sein!! Obwohl ich ja auch einige hier mitschreibende Preussenversteher verstehen kann. Bild

Wie die bei Alexandra so einfach sitzen bleiben durften, begreife ich bis jetzt noch nicht...
kaeptn eisbaer
Beiträge: 475
Registriert: Di 1. Aug 2000, 01:00
Wohnort: Nordberlin
Kontaktdaten:

Wo sind die Fans geblieben...

Beitragvon kaeptn eisbaer » Mo 20. Nov 2000, 12:41

>>Wie die bei Alexandra so einfach sitzen bleiben durften, begreife ich bis jetzt noch nicht...<<
echt nicht? ich ja, und ich denke mal, es war auch okay für dich (?). hat jedenfalls spass gemacht mit und gegen die preussen zu feiern.
ahoi - ke
stoerzi
Beiträge: 842
Registriert: Fr 13. Okt 2000, 01:00
Wohnort: 3806
Kontaktdaten:

Wo sind die Fans geblieben...

Beitragvon stoerzi » Mo 20. Nov 2000, 14:00

heavy,da sprichst du viele wahre worte,aber war diese entwicklung nicht schon in der letzten(wenn nicht sogar vorletzten saison)absehbar?ich will keinen pessimismus verbreiten ,aber an die stimmung vergangener tage kommen wir so leicht nicht mehr heran.woran es liegt,keine ahnung.ehrlich gesagt werden wir(jedenfalls ich)auch nicht juenger und agiler eher etwas ruhiger.und der fan-nachwuchs muss seinen eigenen weg finden,auch wenn der uns nicht unbedingt froehlich stimmt.vielleicht brauchen wir mal ein-zwei verkorkste spielzeiten um die spreu vom weizen zu trennen in jeder hinsicht gruss der exilhollaender
Hirvi
Beiträge: 25
Registriert: Di 17. Okt 2000, 01:00
Wohnort: D-10369 Berlin
Kontaktdaten:

Wo sind die Fans geblieben...

Beitragvon Hirvi » Mo 20. Nov 2000, 15:08

Also ergänzend zu den Vorrednern, denen ich mich voll und ganz anschließe, habe ich einen kleinen Verdacht, der für die nachlassende Stimmung zumindest mitverantwortlich sein könnte. Meinen persönlichen Erfahrungen nach haben solche Mega-Events wie "Moskau", "Tampere" einfach wie eine Blutwäsche gewirkt. Da sind dann hunderte Altfans und auch Neufans zusammen durch die Weltgeschichte gedüst und haben Gesänge ausgetauscht und sich gegenseitig "weitergebildet". Man hatte und da bin ich mir ganz sicher, nach solchen Fahrten immer besonders gute Stimmung in der Halle, weil eben die Party von Moskau oder Tampere in Berlin richtigerweise einfach weitergefeiert wurde. Deshalb wäre ich dafür, dass die Eisbären zum Beispiel wie Kölle am Spengler-Cup in Davos teilnehmen oder mal einen von Anschütz gestifteten Pokal mit Ambri-Piotta ausspielen und dann gehrt die Karawane wieder los. Die DEL mit ihren ganzen rückgängigen Zuschauerzahlen und den Popcorn-Fans bringts doch nicht.
dynamoboys
Beiträge: 2171
Registriert: Do 10. Aug 2000, 01:00
Wohnort: Deutschland, Berlin, Alt-Hohenschönhausen
Kontaktdaten:

Wo sind die Fans geblieben...

Beitragvon dynamoboys » Di 21. Nov 2000, 22:20

Auch ich kann meinen Vorrednern nur zustimmen, vor allem Heavy spricht mir aus der Seele, aber die, die hier im Forum sind, sind (größtenteils) "Hardcorefans", also zumindestens die, die den EHC immer anfeuern und auch zu Auswärtsfahrten fahren! Das sind aber leider nur 40-50. Das ist nicht die Mehrheit, auch erreichen wir über das Medium Internet nicht die Masse, darin sind wir uns ja einig. Als Vorschlag würde ich machen: Die Eiheitsmusik abzustellen(obwohl mir Hände zum Himmel ganz gut gefällt, im Gegensatz zu 2...3...4...)aber der Originalität wegen wäre es ok. Meiner Meinung nach schliddern die EHC-Fans immer mehr in den Einheitsbrei der anderen DEL-Fans! Übereinstimmende Gesänge, weniger decibel und die Musik... Dagegen müssen wir was machen, aber ich denke ohne den Erfolg der Mannschaft wird die Masse nicht mehr so sein wie früher. Leider!
- Eisbären und der IEC -

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast